Dr Otgen Clinic Ratgeber
Ein Zahnimplantat ist eine Titanwurzel, die anstelle eines fehlenden Zahns in den Kieferknochen gesetzt wird; zusammen mit der darauf befestigten Krone stellt sie eine Kaufunktion nahe der eines natürlichen Zahns wieder her. Eine Implantatbehandlung ist nicht in einem einzigen Termin abgeschlossen: Die Zeit, die das Implantat zum Einheilen in den Knochen braucht, ist der längste und wichtigste Teil der Behandlung. Im Folgenden erklären wir jede Phase und warum gewartet wird; die Zeiten hängen von Ihrer Knochensituation und Ihrem Behandlungsplan ab.
1. Untersuchung und Planung
Die Behandlung beginnt mit einer Untersuchung der Mundhöhle und Röntgenaufnahmen. Höhe und Breite des Knochens an der Implantatstelle werden häufig mit einer dreidimensionalen Aufnahme (DVT) beurteilt. Diese Bilder dienen dazu, Länge und Winkel des Implantats sowie den Abstand zu Strukturen wie Nerven und Kieferhöhle zu planen.
Auch Ihr allgemeiner Gesundheitszustand wird besprochen. Nicht eingestellter Diabetes, Rauchen, eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich und manche Medikamente gegen Osteoporose können die Einheilung beeinflussen. Teilen Sie im Gespräch alle Medikamente und Vorerkrankungen vollständig mit.
2. Vorbereitende Eingriffe, falls nötig
Bei manchen Patienten ist vor dem Implantat eine Vorbereitung nötig. Zu ziehende Zähne, Zahnfleischerkrankungen oder Entzündungen werden zuerst behandelt. Reicht der Knochen nicht aus, kann ein Knochenaufbau geplant werden, im hinteren Oberkiefer eventuell eine Anhebung des Kieferhöhlenbodens (Sinuslift).
Vorbereitende Eingriffe können die Gesamtbehandlung verlängern, doch ein langlebiges Implantat braucht eine stabile Grundlage aus Knochen und Zahnfleisch.
3. Setzen des Implantats
Das Implantat wird unter örtlicher Betäubung gesetzt; während des Eingriffs spüren Sie keine Schmerzen. Die Dauer hängt von der Anzahl der Implantate ab und liegt bei einem einzelnen Implantat meist zwischen 30 und 120 Minuten. Bei Bedarf wird am Ende genäht.
In geeigneten Fällen kann am Tag der Implantation ein provisorischer Zahn eingesetzt werden. Diese Entscheidung trifft Ihr Zahnarzt nach Beurteilung der Knochendichte und der Primärstabilität des Implantats; sie ist nicht für jeden Patienten geeignet.
Pflege in den ersten Tagen
- In den ersten 24 Stunden nicht spülen und keine sehr heißen Speisen oder Getränke
- In den ersten Tagen weiche Kost wählen und nicht auf der Implantatseite kauen
- Gegen Schwellung die Wange nach Anleitung Ihres Zahnarztes kühlen
- Rauchen beeinträchtigt die Einheilung; während der Behandlung wird empfohlen, darauf zu verzichten
- Die übrigen Zähne weiter putzen; die Implantatstelle so reinigen, wie Ihr Zahnarzt es erklärt
Leichte Schwellungen, Empfindlichkeit und Blutergüsse über einige Tage sind zu erwartende Begleiterscheinungen. Die meisten Menschen können am nächsten Tag wieder arbeiten.
4. Einheilphase: Verbindung mit dem Knochen
Bevor ein fester Zahn eingesetzt wird, muss das Implantat mit dem Kieferknochen verwachsen (Osseointegration). Das dauert im Unterkiefer meist etwa 2–3 Monate, im Oberkiefer 3–6 Monate, abhängig von der Knochenqualität. Nach Knochenaufbau oder Sinuslift kann es länger dauern.
In dieser Zeit kann für eine Lücke im sichtbaren Bereich ein Provisorium getragen werden. Die Einheilzeit lässt sich nicht verkürzen; die langfristige Stabilität des Implantats hängt wesentlich davon ab, dass sie abgeschlossen wird.
5. Gingivaformer, Abformung und Anprobe
Nach abgeschlossener Einheilung wird auf das Implantat ein Gingivaformer gesetzt, der das Zahnfleisch formt. Das Zahnfleisch passt sich innerhalb weniger Wochen um diesen Aufsatz an.
Anschließend wird eine digitale oder klassische Abformung genommen. Farbe, Form und Biss des festen Zahns werden bei einer Anprobe kontrolliert.
6. Eingliederung des festen Zahns und langfristige Pflege
Die feste Krone oder Brücke wird auf dem Implantat befestigt, und der Biss wird kontrolliert. Ab diesem Zeitpunkt braucht der Implantatzahn tägliche Pflege wie natürliche Zähne.
Um das Implantat kann sich eine Entzündung des Zahnfleischs (Periimplantitis) entwickeln. Um dem vorzubeugen, werden neben dem täglichen Zähneputzen Interdentalbürsten oder Zahnseide sowie alle sechs Monate eine Kontrolle mit professioneller Zahnreinigung empfohlen.
Gesamtdauer und Anzahl der Termine
Bei einer Behandlung ohne Vorbereitung vergehen vom Setzen des Implantats bis zum festen Zahn meist einige Monate, und die Behandlung ist in der Regel in 2–6 Terminen abgeschlossen. Pläne mit Knochenaufbau oder mehreren Implantaten dauern länger.
Wenn Sie aus einer anderen Stadt oder aus dem Ausland anreisen, werden wegen der Einheilzeit zwischen Implantation und festem Zahn meist zwei getrennte Aufenthalte geplant. Wenn die Termine bei der ersten Untersuchung gemeinsam festgelegt werden, lassen sich die Reisen leichter im Voraus planen.
Häufig gestellte Fragen
Ist eine Implantatbehandlung schmerzhaft?
Da der Eingriff unter örtlicher Betäubung erfolgt, spüren Sie währenddessen keine Schmerzen. Die Empfindlichkeit danach hält meist einige Tage an und wird mit den von Ihrem Zahnarzt empfohlenen Schmerzmitteln behandelt.
Können Implantat und Zahn am selben Tag eingesetzt werden?
Wenn Knochendichte und Primärstabilität des Implantats es erlauben, kann am selben Tag ein provisorischer Zahn eingesetzt werden. Der feste Zahn wird nach abgeschlossener Einheilung angefertigt.
Ist ein Implantat möglich, wenn mein Knochen nicht ausreicht?
Fehlender Knochen lässt sich häufig durch vorbereitende Eingriffe wie Knochenaufbau oder Sinuslift ausgleichen. Welches Verfahren geeignet ist, wird nach der Auswertung der 3D-Aufnahme entschieden.
Wie lange hält ein Zahnimplantat?
Bei guter Mundhygiene und regelmäßigen Kontrollen können Implantate viele Jahre genutzt werden. Die Krone darauf kann sich mit der Zeit abnutzen und bei Bedarf erneuert werden.
Medizinische Redaktion Dr Otgen Clinic · Zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2026