Was ist ein vorzeitiger Samenerguss?
Für die Definition müssen drei Elemente zusammenkommen: Der Samenerguss tritt deutlich früher ein als gewünscht, über seine Verzögerung lässt sich keine Kontrolle herstellen, und dieser Zustand führt zu persönlichem Leidensdruck oder zu Schwierigkeiten in der Partnerschaft. Allein anhand der Dauer wird nicht entschieden.
Es werden zwei Grundformen unterschieden. Bei der lebenslangen (primären) Form besteht das Problem seit den ersten sexuellen Erfahrungen. Bei der erworbenen (sekundären) Form beginnt es zu einem bestimmten Zeitpunkt, obwohl zuvor keine Schwierigkeiten bestanden; bei diesem Bild ist die Suche nach einer zugrunde liegenden Ursache besonders wichtig.
Ursachen und Begleitumstände
Der vorzeitige Samenerguss lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Neben biologischen Faktoren rund um das an der Nervenleitung beteiligte Serotoninsystem spielen auch erlernte Verhaltensmuster und Angst eine Rolle. Bei später beginnenden Bildern werden besonders folgende Punkte untersucht:
- Begleitende Erektionsstörung: Die Sorge, die Steifigkeit zu verlieren, kann zu Eile führen und den vorzeitigen Samenerguss begünstigen. Treten beide zusammen auf, wird zuerst die Erektionsstörung angegangen.
- Infektionen wie Entzündungen der Prostata und der Harnwege (Prostatitis)
- Hormonelle Störungen, allen voran Schilddrüsenerkrankungen
- Ausgeprägte Leistungsangst, Depression und Spannungen in der Partnerschaft
- Lange sexuelle Karenz oder zur Gewohnheit gewordene Muster eines schnellen Samenergusses
Ablauf der Abklärung
Im Gespräch wird erfragt, wann das Problem begonnen hat, ob es bei jedem Verkehr oder nur in bestimmten Situationen auftritt, welche Medikamente eingenommen werden und welche Beschwerden begleitend bestehen. Es erfolgt eine urologische Untersuchung; wenn die Vorgeschichte es nahelegt, können eine Urinuntersuchung, eine Beurteilung der Prostata oder Schilddrüsenwerte angefordert werden.
Ob zusätzlich eine Erektionsstörung besteht, wird gesondert beurteilt, denn davon hängt die Reihenfolge der Behandlung ab.
Behandlungsoptionen
Die Behandlung wird meist als Kombination mehrerer Ansätze geplant:
- Verhaltenstechniken: Die Start-Stopp- und die Squeeze-Technik zielen darauf ab, Wahrnehmung und Kontrolle über den Ejakulationsreflex zu entwickeln. Sie erfordern regelmäßige Übung.
- Verschreibungspflichtige medikamentöse Therapie: Orale Optionen zur Verlängerung der Zeit bis zum Samenerguss werden ärztlich beurteilt; die Anwendungsform (vor dem Verkehr oder regelmäßig) wird individuell festgelegt.
- Lokale Anwendungen: Sprays und Cremes, die die Empfindlichkeit verringern, können in ausgewählten Fällen infrage kommen; wegen des Übertragungsrisikos auf die Partnerin sind die Anwendungsregeln einzuhalten.
- Behandlung einer begleitenden Erektionsstörung: Treten beide zusammen auf, wird die Erektionsstörung vorrangig behandelt.
- Sexualberatung: Bei Bildern mit deutlichem Angstanteil und im Vordergrund stehenden Schwierigkeiten in der Partnerschaft kann der Ablauf gemeinsam mit der Partnerin geplant werden.
Häufig gestellte Fragen
Was ist beim Samenerguss eine normale Dauer?
Eine einzelne „normale Dauer“ gibt es nicht. Bei der Diagnose werden neben der Dauer auch das Kontrollgefühl und der erlebte Leidensdruck berücksichtigt. Deshalb fällt die Entscheidung nicht über eine Sekundenmessung, sondern über ein ausführliches Gespräch.
Reichen Sprays und Cremes aus?
Bei manchen Personen können sie die Beschwerden lindern; die zugrunde liegende Ursache beseitigen sie jedoch nicht. Werden die Anwendungsregeln nicht eingehalten, können unerwünschte Wirkungen wie ein Taubheitsgefühl bei der Partnerin auftreten. Die Auswahl sollte nach ärztlicher Beurteilung erfolgen.
Kehren die Beschwerden nach Absetzen der Behandlung zurück?
Wird ausschließlich medikamentös vorgegangen und nicht mit Verhaltenstechniken gearbeitet, kann ein Wiederauftreten beobachtet werden. Deshalb wird die medikamentöse Therapie meist zusammen mit Verhaltenstechniken geplant.
Können vorzeitiger Samenerguss und Erektionsstörung gemeinsam auftreten?
Ja, und das kommt häufig vor. Die Sorge, die Steifigkeit zu verlieren, kann zu Eile führen. Treten beide zusammen auf, wird nach der Abklärung in der Regel zuerst die Erektionsstörung angegangen.